Fotoschule Technik

Scharfe Fotos

Scharfe Fotos in der PraxisManchmal kommt es vor, dass man von einer Fototour zurückkommt und sich die Ergebnisse auf dem PC ansieht. Doch dann - Unscharfe Fotos - aber warum? Um diese Frage beantworten zu können, wie man scharfe Fotos bekommt, müssen wir zunächst einmal klären, was unscharfe Bilder entstehen lässt. Zunächst gibt mehrere Arten der Unschärfe, welche einzeln oder auch zusammen auftreten können:

1. Unschärfe durch Bewegung

Diese Unschärfe entsteht dann, wenn man ein Motiv fotografiert, welches sich schneller bewegt, als es die gewählte Verschlusszeit "einfrieren" kann. Gute Beispiele dafür sind Tiere, Sport, und Fotos bei wenig Umgebungslicht. Es gibt ein paar Tipps und Tricks, welche man beim Fotografieren von bewegten Motiven beachten sollte um scharfe Bilder zu erhalten:

  • Eine sehr kurze Verschlusszeit verwenden
  • Die Blende des Objektivs weit öffnen und ggf. ein lichtstärkeres Objektiv verwenden
  • Die Sensorempfindlichkeit (ISO-Wert) erhöhen
  • Einen Blitz verwenden um das Motiv "einzufrieren"

Aber Achtung! - Die Bewegungsunschärfe wird in der Fotografie gerne als Stilmittel für Dynamik verwendet. Deshalb ist nicht jedes augenscheinlich "unscharfe" Foto zum Löschen verurteilt. Mit dieser Technik hat man die Möglichkeit sehr stimmungsvolle und interessante Bilder zu schaffen, welche einen besonderen Look haben und sehr schön anzusehen sind. Ein gutes Beispiel hierfür sind Lichtspurenbilder, Startrails oder Lichtmalerei.

2. Unschärfe durch fehlerhaftes Fokusieren

Bevor eine Kamera ein Foto macht, fokussiert sie ein ausgewähltes Motiv an und stellt auf dieses durch Bewegung der Linsen im Objektiv, scharf. Ist dieser Punkt der Falsche, so wird das Bild unscharf. Häufig passiert dieser Fehler bei bewegten Objekten. Wichtig ist auch zu wissen, dass es verschiedene Autofokusmodi gibt. Der Single-AF stellt einmal scharf und führt dann nicht mehr nach. Der Continiuos-AF korrigiert den Fokus ständig und sorgt somit für scharfe Bilder bei bewegten Motiven. Der Single-AF wird bei statischen Motiven wie beispielsweise der Landschaftsfotografie verwendet wohingegen der Continiuos-AF bei beweglichen Motiven, wie beispielweise Tiere oder Sport, zum Einsatz kommt. Daher ist es wichtig immer sicherzustellen, dass auch das Objekt fokussiert ist, was man scharf haben möchte und dementsprechend die richtigen Autofokuseinstellungen wie Modus, Messfeldanzahl, Messbereich etc. einzustellt. Nur so kann man sicherstellen, dass man scharfe Fotos, selbst bei schwierigen Bedingungen, erhält.

3. Unschärfe durch Verwacklung

Diese Unschärfe ist der Bewegungsunschärfe sehr ähnlich, allerdings bewegt sich in diesem Fall nicht das Motiv, sondern die Kamera! Das geschieht sehr oft bei schlechten Lichtbedingungen. Abhilfe kann hierbei ein Stativ oder eine andere stabile Auflage für die Kamera sein. Außerdem helfen natürlich eine kürzere Verschlusszeit, ein höher eingestellter ISO-Wert und eine offenere Blende. Bei einigen Objektiven kommt zudem ein Bildstabilisator zum Einsatz, welcher bei statischen Motiven die Verwacklung bis zu einem gewissen Maß ausgleichen kann. Zudem sollte man auf die folgende alte Faustregel achten: Um scharfe Fotos zu machen, sollte man nie länger als 1/Brennweite fotografieren. Bei einem 50mm Objektiv also nicht länger als 1/50s! Aber aufgepasst - Bei den kleineren Spiegelreflexkameras sollte man den Cropfaktor von 1,6 mit einberechnen, demnach: 1/(Brennweite * 1,6). Das ist bei einem 50er: 1/80s. Manche gehen sogar noch weiter und erweitern diese Regel auf: 1/(Brennweite * 2) um auch mit den heutzutage hochauflösenden Sensoren noch knackscharfe Fotos zu machen! Ich finde es allerdings fraglich, ob das wirklich notwendig ist.

4. Unschärfe durch Technik bzw. Optik

Auch ein beschlagenes oder verkratztes Objektiv kann ebenso eine Ursache für unscharfe Bilder sein, wie hohes ISO-Rauschen, zu starke Nachbearbeitung oder einfach ein minderwertiges Objektiv. Ihr seht, es gibt noch viele weitere Ursachen dafür, dass eure Fotos nicht so werden, wie ihr sie gerne hättet. Versucht generell die Sensorempfindlichkeit gering zu halten und übertreibt es bitte nicht mit dem Schärfen eurer Bilder, da diese dann sehr künstlich und außerdem unschön aussehen. Ein weiterer Grund für Unschärfe kann auch einfach ein falsches Bildformat oder eine falsche Bildauflösung sein. Zudem kann auch ein Defekt an eurem Objektiv nicht ausgeschlossen werden. Gemeint ist damit ein sogenannter Front- oder Backfokus, welcher den Fokus vor oder hinter das Motiv schiebt. Somit ist trotz richtigem Fokuspunkt der Fokus vor bzw. hinter dem Motiv. Hochwertige Kameras können dies mit der "AF-Feinabstimmung" ausgleichen, andernfalls hilft eine Justierung beim Service bei diesem Problem weiter.

5. Geringe Tiefenschärfe

Fotografiert man mit einer offenen Blende wie f2.8 oder sogar f1.4, so ist die Tiefenschärfe äußerst gering und es ist sehr schwierig ein scharfes Foto zu erhalten. Ihr solltet wissen, dass ungefähr 1/3 vor dem Motiv und 2/3 hinter dem Motiv scharf abgebildet werden. Das obere Bild ist ein ideales Beispiel dafür. Wie man sieht, sind die Augen messerscharf, allerdings versinken die Augenbrauen schon in totaler Unschärfe. Bei einer größeren Blende hat man dieses Problem nicht, da sich die Tiefenschärfe vergrößert. Aber nicht nur die Blende, sondern auch der Abstand vom Fotografen zur Kamera und vom Motiv zum Hintergrund beeinflussen die Tiefenschärfe. Teilweise bewegt sich die Tiefenschärfe in einem Bereich von nur einigen Milimetern. Bewegt sich nun das Model bzw. der Fotograf nur ein wenig, so verschiebt sich der Fokus natürlich und das Bild wird unscharf. Deshalb sollte man, wenn man auf Nummer sicher gehen möchte, eine etwas größere Blende verwenden. Natürlich kommt das auf die Situation und die zu erzielende Bildwirkung an. So kann es gewollt sein, dass, durch die geringe Schärfentiefe, nur ein Auge scharf wird, während das andere schon in Unschärfe versinkt.